Galerie

DER THALIA-SAAL

Cetatii 3-5, Sibiu

Audio (1.86M)

Mitte des 18. Jh., im Jahr 1752 spielte man in Hermannstadt schon auf einer Holzbühne am Großen Ring (rum. Piaţa Mare). Erst 1787 hat der Magistrat über seinen Vertreter, Stephan Leopold Hirling, dem Drucker und Setzer Martin Hochmeister vertraglich, den Dicken Turm angeboten, um hier ein modernes Theater einzurichten.

Martin Hochmeister hat somit das kulturelle Leben Hermannstadts aber auch ganz Siebenbürgens des 18. Jh. wesentlich beeinflusst. Er forderte vom Magistrat das Grundstück zwischen dem Schlosserturm und dem Töpferturm, inklusive den Dicken Turm, um hier ein Theater einzurichten. Der Magistrat stimmte dem zu, unter der Bedingung, dass der Zweck auch erfüllt wird. Somit wurde aus dem mittelalterlichem Verteidigungsturm der Sitz einer modernen kulturellen Institution.

Hochmeister wurde in seinen Vorhaben vom Siebenbürgischen Gouverneur Herzog Banffy, dem Obergeneral Herzog Fabris und von Christoph Seipp, ein vertrauter von J. W. Goethe, der zwei Jahre in Hermannstadt lebte, unterstützt. Martin Hochmeister ist der Vertreter, welcher aus kulturellem Gesichtspunkt am besten die österreichische Verwaltung darstellt.

Für den Standort des Theaters gab es zwei Vorschläge. Herzog Banffy wollte es in der Stadtmitte, fand aber keinen Platz, und stimmte dann dem Vorschlag mit dem Dicken Turm von Hochmeister und des Generals Fabris zu. Die Einrichtung des Theaters erfolgte durch Eingriff auf die Baustruktur der mittelalterlichen Verteidigungsanlagen.

Der Dicke Turm ist Teil des fünften Verteidigungsmauer der mittelalterlichen Burg, die zwischen 1540 und 1552 gebaut wurde. Das Konzept war eines Rondells, welches mit Feuerwaffen verteidigt wird. Es scheint, dass der Bau von Markus Pempflinger, Bürgermeister von Hermannstadt Ende des 16. Jh., finanziert wurde. Das einzige Bauwerk, welches hinzugefügt wurde, wurde 1787 außerhalb des Rondells gebaut, wo sich die Vorkammern befanden.

Das Theater wurde zwischen Juni und Dezember 1787 gebaut, mit feierlicher Einweihung am 1 Juni 1788, wobei eins der Stücke von Christoph Seipp aufgeführt wurde. Der Standort ist heute zwischen der Harteneckgasse (rum. Cetăţii) und der Promenade (rum. Coposu), mit Zugang von beiden Straßen. Der erste Plan stammte auch nach Wiener Plänen, jedoch musste Hochmeister auch die Zustände vor Ort in Betracht ziehen. Somit ließ er die Mauer des dritten Verteidigungsringes davor abreißen, und öffnete somit die Straße mehr dem Verkehr und pflasterte die Straße vom Theater bis zum Großen Ring (rum. Piaţa Mare), und gründete auch einen überdachten Korridor, welcher den Hof mit dem Theatereingang verband. 1791 stellte er einen Durchgang zwischen den Promenaden her, welcher den Namen „Theatertrappe” erhielt, doch wurde dieser 1818 geschlossen. 1788 beendete man den Bau der Balkone, auf zwei Etagen gebaut, insgesamt wurden 23, bzw. 20 de Logen eingerichtet. Eine Loge konnte für 2-3 Dukaten im Monat gemietet werden.

Zwischen 1788 und 1791 befand sich gegenüber von der Bühne die Loge des Gouverneurs, welche mit acht Plätzen ausgestattet war. Nachher wurde sie auch als die Reserve für Ehrengäste genutzt. Darunter gab es zwei kleiner Logen, die der Familie Hochmeister gehörten. Darüber befand sich die Galerie, welche den Namen „Paradies trug”, sie war in Weiß, Rot und Gold dekoriert.

Hier wurden zahlreiche Stücke aufgeführt, wie „Der Hermannstädter Wald” 1815, „Drei Siebenbürgische Bilder aus der Vergangenheit” 1832, „Was erzählt dir Hermannstadt” 1859, aber auch Konzerte, wie der von 1879 mit Johannes Brahms und J. Joachim. Martin Hochmeister veranstaltete hier auch Bälle und Empfänge. Der Eintritt für 16 Vorführungen kostet 2 Gulden und einen Gulden für die Teilnahme an einem Ball.

Der erste Theaterintendant wird dann gerade Siepp, welcher 1792 noch glaubte, ein Theater muss in der Stadtmitte aufgestellt sein, um als bedeutende Kulturinstitution wahrgenommen zu werden. Am 6. August 1826 inszeniert ein slowakischer Regisseur ein Feuerwerk, welches zum kompletten Abbrand des Theaters und somit auch zu seinem Ruin führte. Der Sohn des Gründers Martin Hochmeister Jr. gab 17.000 Gulden für die komplette Restaurierung aus, das nach dem Modell des Leopoldstheater in Wien durchgeführt wurde, sodass am 1 März 1827 eine neues Stück aufgeführt werden konnte. Im Jahr 1849 werden die Vorführungen gestoppt, zumal der General Bem das Theater beschlagnahmt, jedoch ein Jahr später, 1850, wird die Tätigkeit erneut fortgeführt.

1865 kauft der Magistrat für 35.000 Gulden das Theater von den Nachfolgern von Hochmeister, und ab diesem Zeitpunkt wird hier ständig gespielt, obwohl es zeitweilig auch Überlegungen des Magistrats gab, die Räumlichkeiten dem Jesuiten-Kolleg zu übergeben, das heutige „Gheorghe Lazăr“ Nationalkollegium, dass seine Tätigkeiten in der ganzen Stadt ausübte, ohne einen ständigen Sitz zu haben. 1868 führte hier auch Mihai Pascaly Regie für einige Stücke. Die Theaterstücke waren gerade der armen Bevölkerung der Stadt gewidmet.

Die Restaurierung des Theaters führte zur Aufgabe des originalen Barockstils welcher mit einem Rokoko ersetzt wurde, mit Gelände, welches bei Bällen abmontiert werden konnte und ersetzt von einer Leiter, damit mehr Raum hergestellt werden konnte, mit weiß-lackierten Dekorationen und vergoldeter Stuckatur, mit roten Sesseln aus Samt, wie auch die Vorhänge. Insgesamt wurden in den zwei Etagen 40 Logen eingerichtet, 400 Sessel im Erdgeschoss im Saal. Mittig stand ein großer Kronleuchter mit Kerzen. Die Garderobe war hinter der Bühne eingerichtet, doch sie war klein und ziemlich schäbig. Der Bühnenvorhang wiedergab ein Abbild von Hermannstadt von Franz Neuhauser dem Jungen, vom Anfang des Jahrhunderts.

1876 wurde die Fassade wiederhergestellt, wie auch das Innere, welches Weiß, Rot und in Goldfarbe dekoriert wurde. Neueröffnung fand dann am 1 September 1887 mit Faust statt.

Der Name Thalia, der heute unter den Hermannstädtern bekannt ist, stammt aus der kommunistischen Zeit, als hier nach einem anderen Brand im Jahr 1949 der Gewerkschaftsclub der Fabrik Independenţa hier funktioniert hat. Nach 1990 beschließt der Kreisrat den Gebäudekomplex wieder herzurichten. Die Arbeiten, welche 1994 begonnen wurden, werden 10 Jahre später 2004 beendet, wohin anstelle des Theaters nun die Stadtphilharmonie umgezogen ist.

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